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16.06.2008

Sagen ist besser als lesen

Dritte Bildungskonferenz der Bildungsregion Göttingen in Osterode – Weitere Schulschließungen erforderlich?

Foto zur Pressemitteilung

Osterode. Schülerschwund in Grundschulen und bald auch massiv in den weiterführenden Schulen: Zwingt der demographische Wandel die Kommunen zur Schließung von Schulen oder lässt sich auch an kleinen Schulen jahrgangsübergreifend guter Unterricht erteilen? Diese Fragestellung prägte die dritte Bildungskonferenz der Bildungsregion Göttingen, zu der mehr als einhundert Interessierte in das Foyer der Kreisvolkshochschule Osterode am Harz kamen.

Vom klar definierten Schulprofil und den Konsens innerhalb des Kollegiums sowie eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern bis hin zur Relativierung der Notengebung nannte der renommierte Bildungsexperte und Buchautor Prof. Dr. Peter Struck (Universität Hamburg) zehn Kriterien einer „guten Schule“. Die Schülerzahl gehörte nicht dazu. Struck: „Die Größe einer Schule ist kein Qualitätsmerkmal.“ Nach Einschätzung des Pädagogen ermöglichen auch einzügig tätige Schulen einen hohen Lernerfolg – wenn die Erkenntnisse moderner Hirnforschung berücksichtigt würden. So förderten das eigenständige Handeln und das Lernen durch Sagen, Hören und Sehen den Lernerfolg viel mehr, als wenn sich Schüler ausschließlich auf das Lesen konzentrierten. Insbesondere Jungen müssten die Gelegenheit erhalten, etwas auszuprobieren. Wichtig sei zudem, dass an den Schulen die Partnerschaft zwischen Lehrern, Eltern und Betrieben vertieft werde.

Die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Frauke Heiligenstadt, forderte von den Kommunen den Mut zu einer ehrlichen und transparenten Diskussion. Die Chance des „Zwangs zum Handeln“ müsse genutzt werden, um eine „gute Schule“ zu entwickeln, die aber eine Mindestgröße aufzuweisen habe. Statt einer Standortschließungs- müsse eine Qualitätsdebatte geführt werden. Wichtig aus Sicht der Sozialdemokratin: Ein möglichst langes gemeinsames Lernen aller Schülerinnen und Schüler. Nachdrücklich warb Frauke Heiligenstadt für die Nutzung der „flexiblen Eingangsstufe“ – also des Zusammenführens des dritten Kindergartenjahres mit der ersten und zweiten Klassenstufe. Durch die Jahrgangsmischung werde die Unterschiedlichkeit der Kinder als Bereicherung wahrgenommen.

Die elementare Bedeutung der Bildung für die Prosperität der Gesellschaft strich der Vorstandsvorsitzende des Regionalmanagements „Mekom“ und Geschäftsführer der Eckold GmbH, Dr. Rainer Beyer, heraus. Derzeit sei das Bildungssystem in Deutschland den Herausforderungen jedenfalls nicht gewachsen. Die Kürungen im Bildungsbereich wie etwa die Streichung der Lehrmittelfreiheit seien nicht zu vertreten. Aus Unternehmenssicht komme es auf ein hohes Bildungsniveau an – Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und gutes Sozialverhalten müssten auch in den Elternhäusern stärker als bislang eingeübt werden. Nur so könne sich der Standort Deutschland in Zeiten der Globalisierung behaupten.

Zu Beginn der Konferenz hatten Landrat Bernhard Reuter und Bürgermeister Klaus Becker Bildung als zentrale Herausforderung der Gesellschaft bezeichnet. Die Erhöhung von Transferzahlungen, so Reuter, könne die wachsenden Unterschiede in der Gesellschaft nicht ausgleichen. Einzig die Förderung der Bildung sei geeignet, die Chancengerechtigkeit zu verbessern. Schon heute drohe der Fachkräftemangel zu einer Wachstumsbremse zu werden. Becker betonte, dass die Stadt Osterode Diskussionen über die Schließung von Grundschulen nicht unter finanziellen Aspekten führe. Wichtigster Anspruch sei die Qualität der pädagogischen Arbeit an den Schulen. Die Stadt Osterode hatte im vergangenen Jahr eine Schule und eine Außenstelle geschlossen. Derzeit wird u. a. auch in Northeim und Dassel über das Erfordernis von Grundschulschließungen debattiert.

Nachbericht zur Veranstaltung mit Fotos und Materialien
auf dem Portal www.bildungsregion-goettingen.de

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