Illustrationsgrafik
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16.11.2012

Südniedersachsen als verstädterte Region ab 2013 vor neuen Herausforderungen

Breitbandverbindungen als zentrale Herausforderung - Kurzstudie zeigt überraschende Stärken im Verkehrsangebot auf der Schiene

Skizze Raumstrukturkonzept
Raumstrukturkonzept

Northeim/Göttingen. Als verstädterte Region muss Südniedersachsen in der Vorbereitung auf die neue EU-Strukturförderperiode 2014 bis 2020 darauf achten, dass auch außerhalb von Städten wie Göttingen und Northeim urbane Qualitäten wie leistungsfähige Breitbandverbindungen und ein gutes Verkehrssystem auf Schiene und Straße entwickelt werden. Nur so kann der Raum Anschluss an Wachstumsregionen wie Hamburg und das Emsland finden: Zu diesem Schluss kommt der wissenschaftliche Berater des Regionalverbandes Südniedersachsen, Dr. Gerd Cassing, in einer Kurzstudie für den Jahresbericht 2012 des Verbandes.

Nachdrücklich spricht sich Cassing gegen eine Überbewertung von Landwirtschaft und traditioneller Dorferneuerung aus. Der Wissenschaftler: „Zwar liegen viele unserer 350 Ortschaften in größerer Entfernung zu Göttingen und den Mittelzentren, doch werden sie aber überwiegend zum Wohnen genutzt. Die Lebensweise dort ist letztlich städtisch geprägt – was sich beispielsweise an der Nutzung des Internets zeigt.“ Zumindest in Südniedersachsen habe der Begriff „ländlicher Raum“ deshalb auch Staub angesetzt: Wer in der Regionalentwicklung etwas bewirken wolle, müsse gerade die Wechselwirkungen zwischen peripher gelegenen Orten und den Zentren beachten und sie als Chance begreifen.

Skizze Wohnbevölkerung
Wohnbevölkerung in Südniedersachsen

Den wesentlichen Unterschied zwischen Dorf und Stadt sieht Cassing in der räumlichen Entfernung zum Arbeitsplatz und zu guten Einkaufsmöglichkeiten. Eine zukunftsorientierte Regionalstrategie müsse deshalb darauf abstellen, dass die peripher gelegenen Orte an die Mittelzentren und das Oberzentrum Göttingen und von dort aus gut an das überregionale Schienen- und Straßennetz angebunden werden. Ziel müsse sein, dass Göttingen von allen Grundzentren aus im PKW innerhalb von 45 Minuten erreichbar ist - dieser Wert ist beispielsweise für Bad Sachsa und Walkenried bislang nicht erreicht.

Dr. Gerd Cassing
Dr. Gerd Cassing

Nach Cassings Analyse hat das bundesweit gültige Zentrale-Orte-Konzept nach wie vor seine Bedeutung. Im Bereich Einkaufen geht es davon aus, dass der Verkauf von Gütern des täglichen Bedarfs in Grundzentren erfolgt, dass höherwertige Produkte wie Kleidung und Unterhaltungselektronik in Mittel- und Oberzentren verkauft werden. Im Gesundheits- und Schulwesen gibt es vergleichbare Aufgabenverteilungen. Cassing plädiert dafür, diesen Grundgedanken um den Aspekt der regionalen Verkehrsachsen zu ergänzen. Demnach müssen von Göttingen aus sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene die Verbindungen in sechs Richtungen ausgebaut werden: Nach Witzenhausen, Hann.Münden, Bodenfelde, Northeim/Einbeck/Bad Gandersheim, Osterode und (was die Straße angeht) nach Duderstadt.

Das Schienennetz in Südniedersachsen ist deutlich leistungsfähiger als dies in der Öffentlichkeit zumeist wahrgenommen wird. Wenn man zum Bahnhof bzw. zum Haltepunkt (einschließlich Göttingen) einen Weg von drei Kilometern, der sich zu Fuß oder auf dem Fahrrad leicht bewältigen lässt, als akzeptabel ansieht, wohnen nach Cassings Berechnungen mehr als die Hälfte aller Menschen „bahnnah“ und können damit dieses Mobilitätsangebot leicht nutzen.

Zu den „weißen Flecken“ der Region zählt die Kernstadt Einbeck – der Bahnhof in Salzderhelden liegt weit von der Innenstadt entfernt. Cassing schlägt vor, punktuelle Angebotsverbesserungen intensiv zu prüfen: Das gelte nicht nur für Einbeck, sondern auch für Haltepunkte in Moringen und Obernjesa. Würden diese Verbesserungen umgesetzt, könnte ein zusätzliches Potenzial von rund 5.000 Bürgerinnen und Bürgern erschlossen werden. Der Anteil der in Bahnhofsnähe wohnenden Menschen an der Gesamtbevölkerung würde damit auf rund 60 Prozent steigen – ein Wert, der die These von der „verstädterten Region Südniedersachsen“ stützt.

Cassing hält es für wichtig, dass die Region nicht nur sachorientiert über die Fusion von Landkreisen debattiert. Es gehe vielmehr auch darum, sich kompetent und deutlich für die neue EU-Strukturförderperiode und die von der Landesregierung derzeit vorbereiteten Programme zu positionieren. Die sich damit bietenden Möglichkeiten müssten konsequent genutzt werden. Nur so könne Südniedersachsen seine Zukunftsfähigkeit auch im Hinblick auf die erforderliche Entwicklung der Infrastruktur sichern.

>> Studie zum Herunterladen

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