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03.01.2013

Bürger bewerten Fusionsbestrebungen nicht ablehnend, aber skeptisch

Methodenzentrum Sozialwissenschaft führt Befragung im Auftrag des Landkreises Northeim durch - Wenn schon Fusion, dann die „große“ Lösung

Cover der Präsentation Ergebnisse der Bürgerbefragung
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Für das Alltagsleben spielen die Kontakte der Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Northeim zu ihrer Kreisverwaltung eher eine untergeordnete Rolle – deshalb vermutet auch nur jeder Sechste, dass eine Fusion von Landkreisen in Südniedersachsen sich „sehr stark“ oder „eher stark“ auf die Alltagswirklichkeit auswirken würde: Diese Aspekte zählen zu den zentralen Ergebnissen einer von Methodenzentrum Sozialwissenschaft der Universität Göttingen konzipierten repräsentativen Befragung von Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises Northeim.

Wie der Sozialwissenschaftler Dr. Jürgen Leibold dem Kreistag erläuterte, versprechen sich nicht einmal zwei Prozent der Befragten von der Bildung eines Großkreises Göttingen sehr positive Auswirkungen – allerdings rechnen auch nur acht Prozent mit sehr negativen Auswirkungen einer solchen Variante. „Eher negative“ Auswirkungen erwarten mehr als 30 Prozent, „eher positive“ knapp 14 Prozent. Dass sich negative und positive Auswirkungen die Waage halten, erwarten 46 Prozent. Insgesamt überwiegt - wenn auch leicht - demnach die Skepsis gegenüber einer Großkreislösung.

Der Kreisausschuss hatte am 16. November vergangenen Jahres eine repräsentative Befragung zu einer möglichen Kreisfusion beschlossen. Mit der Aktion wurde Mitte November begonnen. Vorab waren 1.500 Kreiseinwohnerinnen und Kreiseinwohner nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden. Nach Leibolds Einschätzung müssen sich an solchen Befragungen eintausend Bürgerinnen und Bürger beteiligen, damit die Ergebnisse valide Rückschlüsse auf die Haltung der Gesamtbevölkerung zulassen.

Die Befragung selbst erfolgte durch Interviewerinnen und Interviewer, die die Befragten zu Hause aufsuchten. Grundlage für die Initiative war ein vierseitiger Fragebogen. Im Anschluss an die Befragung erfolgte die Erfassung und Auswertung der vorliegenden 1.044 ausgefüllten Fragebogen. Die Teilnahmequote liegt damit bei 69,6 Prozent.

Relativ eindeutig fiel die Bewertung der Bürgerinnen und Bürger bezüglich der von der Kommunalpolitik derzeit diskutierten Varianten für Fusionsgespräche aus. Für Gespräche innerhalb der sogenannten „Triangel“ aus den Landkreisen Göttingen, Northeim und Osterode am Harz mit der Universitätsstadt Göttingen als Oberzentrum sprechen sich 48,4 Prozent aus. Immerhin 44,5 Prozent wären alternativ für Fusionsgespräche lediglich zwischen Northeim und Göttingen. Lediglich knapp 30 Prozent sprachen sich für gesonderte Gespräche nur zwischen den Landkreisen Northeim und Osterode am Harz aus.

Foto zur Pressemitteilung
Landrat Michael Wickmann

Zu den interessanten Ergebnissen der Befragung gehört die Tatsache, dass die meisten Menschen Schwierigkeiten haben, die Vorteile einer Kreisfusion zu benennen. Knapp 34 Prozent erhoffen sich Einsparungen – die Mehrheit machte keine konkreten Angaben. Viel deutlicher vermochten die Befragten, Nachteile zu benennen: 41 Prozent fürchten längere Wege zu den Behörden. Dass eine Fusion nicht nur keine Einsparungen bringt, sondern im Gegenteil Geld kostet, erwartet immerhin jeder Zehnte. Mögliche Nachteile sind nach Auffassung der Befragten die Verlagerung von Arbeitsplätzen, die Vernachlässigung peripher gelegener Teilregionen, eine geringere Bürgernähe sowie mehr Bürokratie.

Nur knapp die Hälfte der Befragten hält sich für ausreichend informiert – mehr als jeder Fünfte winkt bei der Frage, ob er mehr erfahren möchte, jedoch ab: Kein Interesse an Aufklärung. Besonders interessant: Je höher der Bildungsgrad der Befragten, desto ausgeprägter das Interesse an weiteren Informationen. Während fast drei Viertel der Befragten mit niedrigem Bildungsstand kein Interesse an weiteren Informationen hat, lag diese Quote bei Befragten mit höherer Bildung lediglich bei 13 Prozent.

„Es ist festzustellen, dass eine relativ deutliche Skepsis unter den Befragten vorherrscht, was eine etwaige Fusion angeht. Sollte eine Fusion aber stattfinden, besteht offenbar eine deutliche Präferenz für die Varianten unter Einbeziehung des Landkreises Göttingen. Eine Fusion ausschließlich mit dem Landkreis Osterode am Harz scheint nicht gewünscht“, betonte Leibold im Kreistag. Eine Feinanalyse will der Sozialwissenschaftler noch im Januar vorlegen.

Nach der Interpretation von Landrat Michael Wickmann fürchten große Teile der Kreiseinwohner, dass sich die Erreichbarkeit der Verwaltungsstandorte und damit der Service in Folge einer Fusion verschlechtern könnte. „Wir müssen deshalb unbedingt von einer Entscheidung des Kreistages klären und festlegen, welche Dienstleistungen nach einer Fusion zentral und welche dezentral vorgehalten werden“, sagt der Landrat. Einem Verschieben auf einen Zeitpunkt nach einer etwaigen Fusion erteilte er eine deutliche Absage. „Als Verfechter der Stärkung des ländlichen Raumes muss ich darauf bestehen, dass die Standortfragen, auch im Interesse unserer Städte und Gemeinden, vor einer Fusionsentscheidung geklärt und auf Dauer festgeschrieben werden“.

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