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31.01.2013

Heißer Dauerkonflikt Kreisfusion lässt Bürger kalt

Wissenschaftler stellt im Kreishaus Göttingen Ergebnisse einer repräsentativen Befragung vor

Foto zur Pressemitteilung

Göttingen. Während in der Kommunalpolitik die Frage, ob sich die Landkreise in Südniedersachsen zu einer neuen Gebietskörperschaft zusammenschließen sollten, heiß diskutiert wird, lässt dieses Thema die meisten Bewohnerinnen und Bewohner der Region kalt: Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung, deren Auswertung der Wissenschaftler Dr. Jürgen Leibold vom Methodenzentrum Sozialwissenschaften der Uni Göttingen am Donnerstag, 31. Januar, vorstellte.

Danach wissen zwei Drittel der 850 Befragten in Stadt und Landkreis Göttingen um die politische Auseinandersetzung – fast 60 Prozent erwarten aber „eher schwache“ oder „sehr schwache Auswirkungen“ auf ihr eigenes Leben. Wie Leibold dem Unterausschuss Gebiets- und Aufgabenstruktur des Landkreises Göttingen erläuterte, hängt diese Einstellung damit zusammen, dass die Kreisverwaltung für weit mehr als die Hälfte der Befragten eine geringe oder sehr geringe Bedeutung hat.

Jeder zweite Befragte qualifiziert die Fusion mit den beiden Nachbarlandkreisen Osterode am Harz und Northeim „mittel“ – zu eher negativen Bewertungen kommen weitere 35 Prozent, zu eher positiven Bewertungen 15 Prozent. Zu den benannten Vorteilen eines Zusammenschlusses gehören finanzielle Einsparungen und eine Steigerung der Effizienz des Verwaltungshandelns. Mehr Bürokratie, eine Verteuerung von Dienstleistungen und die Sorge um Arbeitsplätze sind die am meisten genannten möglichen Nachteile der Bildung eines neuen Großkreises.

Während bei einer fast identischen Aktion im Landkreis Northeim, die unter Leibolds Federführung im Dezember 2012 stattgefunden hatte, mehr als 40 Prozent der dort Befragten längere Wege zur Kreisverwaltung fürchten, teilen im Landkreis Göttingen nur knapp 13 Prozent diese Skepsis – angesichts der Tatsache, dass der neue Kreissitz Göttingen wäre, ein gut nachvollziehbares Ergebnis.

Für den Göttinger Landrat Bernhard Reuter wichtig: Gut ein Drittel der Befragten seines Landkreises fühlt sich über die Fusionsproblematik gut informiert. Knapp 40 Prozent verneint die Frage zwar – hat aber auch kein Interesse, mehr zu dem Thema in Erfahrung zu bringen. Jeder Vierte Befragte möchte indes mehr über mögliche Vor- und Nachteile einer Fusion wissen.

Im Rahmen der nach dem Zufallsprinzip ausgesuchten Gesprächspartner Northeim wurden deutlich mehr Ältere und deutlich weniger Jüngere als in Göttingen befragt. Groß sind auch die Unterschiede im Bildungsniveau: Während im Landkreis Göttingen ein Viertel der Befragten über einen Hochschulabschluss verfügen, sind es in Northeim nicht mal acht Prozent. Und in Northeim waren 46 Prozent der Befragten nicht erwerbstätig, in Göttingen nur 38 Prozent.

Leibold hatte seine Befragung im Rahmen des Projektes "Bürgerdialog" vorgenommen. Der Landkreis Göttingen hatte im Herbst 2012 den Regionalverband Südniedersachsen mit der Projektträgerschaft beauftragt.

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