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29.01.2009

Konzentration auf die Ortskerne

Demographischer Wandel und die Folgen: Rosdorfer Fachkonferenz fordert Vorrang für die Innenentwicklung

Foto zur Pressemitteilung

Göttingen/Rosdorf. Die gewachsenen Kerne von Städten und Dörfern müssen durch ein ganzes Maßnahmebündel gestärkt werden. Stures Beharren auf Neubauten an den Ortsrändern würde dazu beitragen, dass die Lebensqualität im ländlichen Raum leidet und für künftige Generationen ruinöse Folgekosten entstehen: Diese Erkenntnisse prägten die öffentliche Fachtagung „Siedlungsentwicklung und demographischer Wandel in Südniedersachsen“, zu der mehr als einhundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins Gemeindezentrum in Rosdorf im Landkreis Göttingen kamen.

„Wegen des Rückgangs der Bevölkerungszahlen müssen wir uns auf die Innenentwicklung konzentrieren. Der Strategiewechsel ist aber auch erforderlich, wenn wir das Ziel einer Reduzierung des Flächenverbrauchs nicht ganz aus den Augen verlieren wollen:“ Rainer Beckedorf, Abteilungsleiter im Niedersächsischen Ministerium für Landesentwicklung, legte den Kommunen in Südniedersachsen nahe, gemeinsam mit der Bevölkerung Konzepte mit dem Ziel zu entwickeln, Ortskerne attraktiver zu machen und auf Bautätigkeit auf der grünen Wiese zu verzichten. Wenn dies im regionalen Kontext erfolge, könne er sich bei der Konzepterstellung eine Unterstützung der Landesregierung vorstellen.

Foto von der VeranstaltungBeckedorf lobte das Modellvorhaben zur Siedlungsflächenentwicklung, das der Regionalverband in enger Kooperation mit der Regierungsvertretung Braunschweig für sieben Städte und Gemeinden erarbeitet hatte und das für das ganze Land Niedersachsen beispielgebend sei. Der Abteilungsleiter: „Man muss die Bevölkerung mitnehmen. Die partizipative Komponente ist ganz wichtig“.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Northeims Bürgermeister Harald Kühle betont, die Gesellschaft müsse sich daran gewöhnen, dass mittel- und langfristig kleinere Ortschaften ganz zurückgebaut werden müssten. Neubauten sollten nur innerhalb der Kernorte und möglichst nur in Baulücken erfolgen. Kühle räumte ein, dass viele Ortsräte noch immer meinten, durch die Ausweisung von Baugebieten Bevölkerungspolitik treiben zu können. Es sei schwierig, hier den erforderlichen Umdenkungsprozess auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit durchzusetzen.

Bürgermeisterin Dinah Stollwerck-Bauer wies auf die vielfältigen Bemühungen des Fleckens Adelebsen hin, die Menschen an den Ort zu binden. Die Beteiligung der Gemeinde an dem Modellvorhaben des Regionalverbandes habe dazu beigetragen, dass in der Politik nunmehr ganz anders über die Siedlungsflächenentwicklung diskutiert werde.

Foto von der VeranstaltungFür den Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund erinnerte der Beigeordnete Meinhard Abel daran, dass die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen in der Siedlungspolitik nach dem Baugesetzbuch vorgeschrieben sei. Abel betonte aber: „Da kann und sollte sicher in Zukunft noch mehr getan werden.“

Für die Abteilung Bauen und Wohnen des Niedersächsischen Sozialministeriums erläuterte Lothar Busch die Schwerpunkte der sieben wichtigsten Förderprogramme. Beispielsweise der Bereich des städtebaulichen Denkmalschutzes erhalte durch das neue Konjunkturprogramm auf Bundesebene neue finanzielle Spielräume. Die Enquete-Kommission „demographischer Wandel“ des Niedersächsischen Landtags habe den Kommunen nahe gelegt, lokale und regionale Konzepte zu entwickeln und die Förderprogramme auf dieser Basis zielgerichtet zu nutzen.

Auch Franz Brinker vom Amt für Landentwicklung Göttingen wies auf die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Attraktivität des ländlichen Raumes hin. Die Dorferneuerung versuche - wie sich anhand von Beispielen aus Kerstlingerode und Gladebeck zeigen lasse - Beiträge zur Sicherung der Lebensfähigkeit von Dörfern zu leisten. Brinker betonte, seine Behörde unterstütze beispielsweise Überlegungen zur Einrichtung einer Dienstleistungsagentur „Alt werden in den eigenen vier Wänden.“

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