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14.05.2009

Effektivere Verzahnung von Bildungspolitik und Wirtschaftsförderung gefordert

Forschungsinstitut in Hannover warnt Südniedersachsen vor drastischem Arbeitskräftemangel – Frühkindliche Bildung soll verbessert werden

Foto zur Pressemitteilung
Prof. Dr. Hans-Ulrich Jung

Göttingen/Hannover. Bislang war noch von einem Fachkräftemangel die Rede – die jüngsten Prognosen des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW, Hannover) gehen mittelfristig für die Region Südniedersachsen von einem drastischen, die Entwicklungsmöglichkeiten der Unternehmen einengenden allgemeinen Arbeitskräftemangel voraus. Die Gründe für diese Entwicklung liegen nicht nur in der sinkenden Zahl junger Leute, die nach Abschluss ihrer Ausbildung auf den Arbeitsmarkt streben, sondern ebenso in der steigenden Zahl der in den Ruhestand tretenden Beschäftigten.

Mit rund 36.000 Menschen haben die drei südniedersächsischen Landkreise ujnd die Stadt Göttingen im Jahr 2008 bei der Zahl der aus Altersgründen aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Menschen die Talsohle erreicht. Diese Zahl wird bis zum Jahr 2025 auf fast 55.000 steigen. Parallel dazu wird die Zahl der jungen Menschen, die in das Erwerbsleben eintreten, innerhalb der nächsten 15 Jahre von derzeit gut 40.000 auf unter 30.000 fallen. Sie hatte 1989 noch bei 55.000 gelegen. Damit hätte sich die Zahl der Neueinsteiger auf den Arbeitsmarkt in Südniedersachsen innerhalb von nur 35 Jahren, also einer Generation, halbiert. Zahlen wie diese sind es, die das NIW veranlassen, trotz der aktuell steigenden Arbeitslosigkeit vor einem Arbeitskräftemangel zu warnen.

In einem Bericht für den Regionalverband Südniedersachsen legt der NIW-Wissenschaftler Prof. Dr. Hans-Ulrich Jung den Verantwortlichen der Region nahe, Wirtschaftsförderung und Bildungspolitik eng zu verzahnen. Es müsse alles dafür getan werden, Schulabbrecherquoten zu senken und die Jugendlichen beim Übergang von einem Bildungssektor in den anderen professionell und systematisch zu unterstützen. Jung: „Die Leistungen des regionalen Bildungssystems und die verfügbaren Qualifikationen werden zu bedeutsamen Standortfaktoren für die Unternehmen. Das Fehlen qualifizierter Fachkräfte kann zu einem Entwicklungshemmnis führen. Bildung und Qualifizierung kommen daher immer stärker in den Fokus der Wirtschaftsförderung“.

Kommunen und Landesregierung verfügen nach Jungs Einschätzung über Handlungsmöglichkeiten, die längst nicht ausgeschöpft seien. Die Bildungs- und Qualifizierungspolitik müsse als strategisches Element einer umfassenden regionalen Entwicklungspolitik begriffen werden. Dazu sei es erforderlich, die Arbeit der Landesministerien besser zu koordinieren.

Nachdrücklich spricht sich Jung dafür aus, die frühkindliche Erziehung und Bildung zu fördern. Das gelte insbesondere für Kinder aus bildungsfernen Schichten. Verbessert werden müsse auch die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen. Als unzureichend qualifiziert Jung insbesondere die deutschen Sprachkenntnisse bei vielen Kindern aus Migrantenfamilien.

Handlungsbedarf sieht der Wissenschaftler auch angesichts der viel zu geringen Abiturientenquoten in ländlichen Regionen. Jung: „Ein gesellschaftliches und regionalwirtschaftliches Problem ganz besonderer Dimension sind die Schulabgänger ohne Schulabschluss. In den allgemein bildenden Schulen muss mit höchster Konsequenz das Ziel verfolgt werden, ihre Zahl zu minimieren. Das Motto muss heißen ´Keiner bleibt zurück`.“

Aus bildungspolitischen wie auch aus volkswirtschaftlichen Gründen lohnt es sich nach Jungs Einschätzung, in Bildung zu investieren. Eine solche Strategie helfe, in späteren Jahren Kosten für Transferleistungen wie die Sozialhilfe einzusparen.

Im Rahmen des Projektes „Bildungsregion Göttingen“ fördert der Regionalverband Südniedersachsen gemeinsam mit der Bildungsgenossenschaft Südniedersachsen (BIGS), der Bürgerstiftung Göttingen und dem Verein „Schule und Wirtschaft“ den Übergang junger Leute von der Schule in den Betrieb. Zu diesem Thema wird auch eine Bildungskonferenz ausgerichtet, die am 12. Juni bei der Firma Piller in Osterode stattfindet und zu der auch der Niedersächsische Wirtschaftsminister Dr. Philipp Roesler kommt.

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