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17.04.2008

Größter Pflegebedarf der Geschichte

Mehr als 120 Teilnehmer beim Aktionstag „Selbstbestimmt leben – die Zukunft des Wohnens im Alter“ in den Berufsbildenden Schulen in Einbeck

Foto zur Pressemitteilung
Foto: Senger, Landkreis Northeim

Einbeck. Der demographische Wandel führt unumkehrbar in eine Gesellschaft mit dem größten Pflegebedarf der Menschheitsgeschichte. Da weder Alten- und Pflegeheime noch die professionelle ambulante Pflege den Herausforderungen gerecht werden können, müssen die Kommunen dazu beitragen, dass sich Nachbarschaftshilfe innerhalb von Stadtquartieren und Dörfern entwickelt: Der prominente Buchautor und führende Repräsentant der deutschen Sozialpsychiatrie, Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner (Hamburg), prägte mit provokanten Thesen wie diesen den Aktionstag „Selbstbestimmt leben – die Zukunft des Wohnens im Alter“, zu der am Donnerstag mehr als 120 Gäste in die Berufsbildenden Schulen nach Einbeck kamen.

Die Probleme vieler Alten- und Pflegeheime führt Dörner auf eine immer deutlicher werdende Monostruktur hin: Während früher die „fitten Alten“ die besonders hilfebedürftigen Bewohner pflegten, lebten heute in den Heimen ganz überwiegend nur die Senioren, die selbst auf intensive Pflege angewiesen seien. Den Akzeptanzproblemen der Heime und der Überforderung der ambulanten Hilfe könne nur durch ein differenziertes, von den Kommunen unterstütztes Bürgerhilfesystem begegnet werden. Dazu seien viele Menschen auch bereit. Die Gesellschaft sei keinesfalls nur durch „ellenbogenbewehrte Egomonster“ geprägt. Bürgermeister Ulrich Minkner sprach sich dafür aus, Anpassungsprozesse in der Stadtentwicklung insbesondere durch eine Konzentration auf eine gute Infrastruktur in den Ortskernen – von der ärztlichen Versorgung bis hin zur Busanbindung – zu entwickeln. Minkner kündigte für Einbeck eine Diskussion über ein städtebauliches Leitbild an, das den demographischen Wandel thematisieren und auf die Innenentwicklung setzen werde. Nach Einschätzung des Bürgermeisters können neue Baugebiete künftig nur noch in Ausnahmefällen genehmigt werden.

Zu Beginn der Veranstaltung, die gemeinsam von der Stadt Einbeck, dem Seniorenrat, der Freien Altenarbeit Göttingen, den BBS und dem Regionalverband Südniedersachsen vorbereitet worden war, hatte die Geschäftsführerin der Einbecker Wohnungsbaugesellschaft, Birgit Rosenbauer, auf die vielfältigen Wohnungsangebote für Senioren hingewiesen. Nach Einschätzung der Geschäftsführerin der Freien Altenarbeit Göttingen, Regina Meyer, kann durch eine Intensivierung der Wohnberatung dem Wunsch vieler Senioren Rechnung getragen werden, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben zu wollen. In der von Dr. Sabine Michalek moderierten Abschlussveranstaltung wurde die Bedeutung rechtzeitigen Planens deutlich – das gilt sowohl für den einzelnen Menschen bei der Frage, wie er künftig wohnen, als auch für jede Kommune, wie sie sich auf den steigenden Anteil älterer Menschen einstellen will.

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