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25.08.2010

Szenarium 2025: Wenn erst mal jedes fünfte Haus leer steht …

Wohnungsmarktexperte der NBank fordert Kommunen der Region auf, die Innenentwicklung zu stärken

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Achim Däbert

Northeim. Drohende Leerstände in vielen Teilen Südniedersachsens stellen die Kommunalpolitik vor neue Herausforderungen. Achim Däbert, Wohnungsmarktexperte der Investitions- und Förderbank Niedersachsen, hält nüchterne Bestandsaufnahmen der Kommunen für ebenso unverzichtbar wie die Erarbeitung einer Entwicklungsstrategie mit Entscheidungen über konkrete Maßnahmen zur Begrenzung der Leerstände.

Die meisten Städte und Gemeinden in den Landkreisen Osterode am Harz und Northeim sowie Teile des Landkreises Göttingen müssen sich nach Einschätzung Däberts darauf gefasst machen, dass künftig mehr als 15 Prozent der Häuser und Wohnungen leer stehen. Selbst wenn Prognosen mit unrealistisch optimistischen Annahmen über die Bevölkerungsentwicklung durchgerechnet werden, ergeben sich für das Jahr 2025 in weiten Teilen Südniedersachsens Leerstandsquoten von fünf bis 15 Prozent. Nur in Göttingen mit seinem unmittelbaren Umland werden Leerstände die große Ausnahme bleiben – hier erwartet Däbert in vielen Preissegmenten sogar einen Nachfrageüberhang.

Für Däbert bestimmt der Arbeitsmarkt wesentlich die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt. Während er für den Landkreis Göttingen noch eine leichte Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze erwartet, zeigt sich der Wohnungsmarktexperte in Bezug auf die Landkreise Northeim und Osterode am Harz deutlich skeptischer: Hier sei schon bis zum Jahr 2020 von einem Rückgang von fünf Prozent und mehr auszugehen.

Für den Wohnungsmarkt maßgeblich ist die Zahl der Haushalte: Die NBank geht in ihren Vorausberechnungen selbst für den Landkreis Göttingen von einem Rückgang der Haushaltszahl zwischen 2008 und 2025 von acht Prozent aus – im Landkreis Northeim erwartet sie 18 Prozent, im Landkreis Osterode am Harz sogar zwanzig Prozent.

Die Zahl der Personen in der Altersgruppe der 30-44-Jährigen – also die klassische „Häuslebauer-Generation“ – sinkt in den Landkreisen Osterode am Harz und Northeim innerhalb der nächsten 17 Jahre um ein Drittel. Im Landkreis Göttingen sind es zwanzig Prozent. Und selbst in der Stadt Göttingen wird die Einwohnerzahl in dieser Altersgruppe um 14 Prozent niedriger liegen als derzeit. Däbert: „Mit Ausnahme Göttingens wird Neubau immer zu Leerstand an anderer Stelle führen.“

Däbert hält es für alternativlos, dass sich die Verantwortlichen in den Kommunen mit diesen Prognosen ehrlich auseinandersetzen. Sie müssten versuchen, die Siedlungskerne zu sichern und zu stabilisieren und Neubürger anzuwerben. Unverzichtbar sei eine strategisch angelegte Innenentwicklung. Zudem müsse versucht werden, Quartiere zu entwickeln und vielfältige Wohnungsangebote bereit zu halten. Däbert mahnt: „In Strategieentwicklung und Planung der Maßnahmen müssen alle Marktteilnehmer einbezogen werden.“

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