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15.09.2010

Preisverfall bietet auch Chancen

Fachleute plädieren für offensiven Umgang mit dem demographischen Wandel – Öffentliche Veranstaltung in der Stadthalle Northeim

Northeim. Sinkende Bevölkerungszahlen, Preisverfall auf dem Immobilienmarkt und eine steigende Zahl leer stehender Häuser und Wohnungen müssen auch als Indizien nachlassender Attraktivität ländlicher Räume gewertet werden. Umso wichtiger ist es, dass sich kleinere Städte und Dörfer ihrer Probleme bewusst werden und ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber den Zentren gezielt stärken: Einsichten wie diese prägten die Abschlussdiskussion der Veranstaltung „Umnutzung und Rückbau – Chancen und Grenzen der Innenentwicklung“ in der Northeimer Stadthalle. Dazu eingeladen hatten die Regierungsvertretung Braunschweig und der Regionalverband Südniedersachsen im Rahmen ihrer Reihe „Auf den Ortskern kommt es an“ – und mehr als einhundert Gäste nahmen teil.

Sinkende Immobilienpreise und ein großes Angebot von Häusern und Wohnungen bieten nach Auffassung des Stadt- und Regionalplaners Dr. Michael Glatthaar Chancen, jüngere Neubürgerinnen und Neubürger zu gewinnen. Sie könnten jedoch nur genutzt werden, wenn die Kommunen bereit seien, Ortsentwicklungskonzepte zu erarbeiten und eigene Profile zu entwickeln. Dazu gehöre auch die Frage, wie sich künftig Lebensstile entwickelten. Glatthaar zeigte zunächst grundsätzlich Verständnis für Kommunalpolitiker, die sich aus Gründen des Gemeinde-Images scheuten, Leerstands- und Baulückenkataster erstellen zu lassen. Glatthaar: „Andererseits wissen die Leute vor Ort doch ganz genau, wie die Lage ist. Warum also diese Furcht vor Transparenz?“ Baulückenkataster dürften aber nie ausschließlich der Defizitbeschreibung dienen; sie müssten auch immer konstruktive Elemente wie etwa Marketingmaßnahmen beinhalten.

Auch der Landrat des Werra-Meißner-Kreises, Stefan Reuss, plädierte für einen offensiven Umgang mit dem demographischen Wandel. Bürgerschaftliches Engagement könne für die Ortsentwicklung viel bewirken – doch auch Sparkassen, Kammern, der Einzelhandel und Kulturschaffende müssten in die Prozesse in den Dörfern und Gemeinden einbezogen werden. Reuss: „Wichtig ist, dass wir ruinöse Konkurrenz zwischen den Kommunen unterbinden. Wir haben deshalb vereinbart, dass bei uns keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden.“ Nachdrücklich plädierte der Landrat für mehr Kreativität bei der Gestaltung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Da angesichts sinkender Schülerzahlen das Busangebot in der Fläche bröckele, müssten Angebote wie das Anruf-Sammeltaxi verstärkt umgesetzt werden. Reuss: „Hier sehe ich noch viel Verbesserungspotenzial.“

In der von Günter Piegsa von der Regierungsvertretung Braunschweig geleiteten Diskussion machte Samtgemeindebürgermeister Friedrich Mönckemeyer aus Eschershausen den kleineren Gemeinden Mut: Statt zu klagen, sollten sie ihre Standortvorteile gegenüber den Zentren - wie etwa die Sicherheit im öffentlichen Raum, Überschaubarkeit und intakte soziale Bezüge - offensiv vertreten. Parallel dazu müsse allerdings auch das Ortsbild angepasst werden. So seien in der Stadt Eschershausen einige Häuser abgerissen und der Ortskern umgestaltet worden. Es sei wichtig, rechtzeitig zu erkennen, in welchen Häusern und Wohnungen Leerstand drohe. Mönckemeyer: „Wir müssen mit unseren älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern auch darüber sprechen, wer die Häuser erbt und wie Erben, die möglicherweise in anderen Teilen der Bundesrepublik leben, mit diesem Erbe umgehen.“

Dass Kommunikation wichtig ist, aber als alleinige Problemlösungsstrategie nicht ausreicht, machte Peter Schwinger, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Samtgemeinderat Bad Grund, deutlich. Schwinger wies darauf hin, dass viele ältere Immobilienbesitzer auf Sanierungen ihrer Häuser verzichteten, weil sie sie für unverkäuflich hielten. Wenn Gebäude dann aufgegeben würden, erfolge dies zu Lasten der Kommunen. Die seien mit dieser Aufgabe aber überfordert. Schwinger: Wir müssen die Forderung an das Land richten, die Möglichkeit zu schaffen, dass Abrisse finanziert werden können.“

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