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17.09.2010

Demographiebericht viel mehr als eine Datensammlung

Werra-Meißner-Kreis geht mit dem Thema Bevölkerungsentwicklung offensiv um - Vortrag von Landrat Reuß in der Stadthalle Northeim

Foto zur Pressemitteilung
Landrat Stefan Reuß

Northeim. Stefan Reuß gibt sich keinen Illusionen hin. Aufhalten lässt sich der demographische Wandel im Werra-Meißner-Kreis nicht. Doch gerade weil das so ist, sagt der Landrat, müssen die bestehenden geringen Handlungsoptionen im Rahmen einer abgestimmten, von der Kommunalpolitik aktiv unterstützten Strategie klug und konsequent genutzt werden.

Als Leitbild nutzt Reuß den Demographiebericht, den er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und unter starker öffentlicher Beteiligung jährlich aktualisiert. Im Jahr 2009 befasste sich der Landkreis mit dem Schwerpunkt „Motor Alter im Tourismus“.

Während der Veranstaltung „Umnutzung und Rückbau – Chancen und Grenzen der Innenentwicklung“ in der Northeimer Stadthalle machte Reuß deutlich, dass - abseits mancher Unterschiede - gerade beim demographischen Wandel zwischen Nordhessen und Südniedersachsen Parallelen bestehen. So stehen in beiden Regionen bereits Wohnhäuser leer. Was aber noch wichtiger ist: Der Leerstand außerhalb den Zentren wird zunehmen – und zwar nicht zuletzt deshalb, weil viele Gebäude einen hohen Sanierungsstau aufweisen und es an Nachfrage nach diesen Immobilien mangelt.

Im Werra-Meißner-Kreis ist der Umgang mit dem Thema „demographsicher Wandel“ Chefsache. Reuß sorgt dafür, dass der jährliche Demographiebericht nicht zum Datenfriedhof mutiert, sondern Empfehlungen für öffentliche Einrichtungen und private Investoren formuliert. So soll das Projekt „Familienbildung in Kindertagesstätten“ ausgebaut und die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Jugendhilfe verbessert werden. Aufwerten will Reuß die Rolle des Kreisseniorenbüros als zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle. Weiterer Schwerpunkt ist die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Reuß machte deutlich, dass sich Kommunalpolitik und Öffentlichkeit inzwischen mit den demographischen Veränderungen offensiv auseinandersetzten. Während der Werra-Meißner-Kreis bei seiner Gründung im Jahr 1970 noch 122.000 Einwohner hatte, ist diese Zahl jetzt auf 94.000 gesunken. Im Jahr 2032 werden den Landkreis nach aktuellen Prognosen nur noch rund 80.000 Frauen und Männer bewohnen. Reuß: „Uns lagen vor Jahren Szenarien für die weitere Entwicklung vor. Eingetreten ist denn weder die optimistischste noch die pessimistischste Variante. Die Wirklichkeit war dann vielmehr noch schlimmer als der vorhergesagte ´schlechteste Fall`“.

Die Bevölkerung konnte nach den Darstellungen des Landrats auch deshalb intensiv zur Diskussion und zum Mitmachen motiviert werden, weil der Werra-Meißner-Kreis als einer von zwei Landkreisen der alten Länder 2008 in das Programm „Region schafft Zukunft“ aufgenommen wurde und dafür eine Million Euro Bundesmittel erhielt. Jährlich veranstaltet der Landkreis ein Bürgerforum, das der Diskussion von Projekten dient, bei dem es aber auch darum geht, wie der Öffentliche Personennahverkehr den sinkenden Schülerzahlen angepasst werden kann.

Besonders wichtig ist Reuß - wie er den mehr als einhundert Gästen in der Northeimer Stadthalle deutlich machte -, dass ruinöser Wettbewerb zwischen den kreisangehörigen Gemeinden unterbleibt. So werden keine neuen Bauplätze mehr ausgewiesen. Neubauten erfolgen nur auf „alten Flächen“, also beispielsweise in Baulücken. Mehr noch: In verschiedenen Orten wurden potenzielle Bauflächen aus Flächennutzungsplänen herausgenommen. Reuß: „Das war möglich, weil inzwischen alle wissen, dass bei sinkenden Bevölkerungszahlen hohe Aufwendungen für Instandhaltung und Sanierung öffentlicher Infrastruktur langfristig nicht mehr finanzierbar sind.“

Im Rahmen ihrer Reihe „Auf den Ortskern kommt es an“ hatten die Regierungsvertretung Braunschweig und der Regionalverband Südniedersachsen gemeinsam zu der Veranstaltung eingeladen. Die Veranstaltungsreihe wird finanziell unterstützt von der Kreis-Sparkasse Northeim.

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