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20.09.2010

Miete zum Nulltarif: Mittel gegen Leerstand?

Stadt Leipzig geht ungewöhnliche Wege – Vortrag des Stadtplaners Dr. Michael Glatthaar in der Stadthalle Northeim

Foto zur Pressemitteilung
Dr. Michael Glatthaar

Northeim. Wer die Lebensqualität peripher gelegener Städte und Dörfer entwickeln will, braucht einen langen Atem: Erfolgsfaktoren sind darüber hinaus ein klarer Handlungswille der Verantwortlichen in Politik und Kommunalverwaltungen, bürgerschaftliches Engagement sowie finanzielle Anreize der Öffentlichen Hand. Der Stadt- und Regionalplaner Dr. Michael Glatthaar analysierte während der Veranstaltung „Umnutzung und Rückbau – Chancen und Grenzen der Innenentwicklung“ in der Stadthalle Northeim konkrete kommunalpolitische Handlungsansätze.

Deren Gemeinsamkeit liegt nicht zuletzt darin, dass sich der demographische Wandel dadurch nicht aufhalten lässt. Andererseits, das machte Glatthaar während seines Referats vor mehr als einhundert Veranstaltungsteilnehmern deutlich, kann kluges Handeln dazu beitragen, dass der Problemdruck reduziert wird.

So verwirklicht die Stadt Leipzig seit einigen Jahren das Konzept der „Wächterhäuser“. Motto: Hauserhalt durch Nutzung. Im Rahmen so genannter Gestattungsverträge stellt die Kommune Interessenten Wohnungen für fünf Jahre kostenfrei zur Verfügung. Die Mieter verpflichten sich im Gegenzug, die Wohnungen zu renovieren und instand zu halten. Mit diesem Konzept senkt die Stadt die Leerstandsquote in ausgesuchten Quartieren und wertet die betreffenden Gebäude baulich auf.

Nachdrücklich warb Glatthaar für die Erstellung von Baulücken- und Leerstandskatastern. Damit werde der Leerstand auch in seiner Verteilung auf die verschiedenen Stadt- und Dorfteile sichtbar gemacht. Glatthaar warnte aber, die Kataster müssten mehr sein als eine Defizitbeschreibung. Vielmehr müssten sie immer mit Vermarktungsinitiativen verbunden sein.

Glatthaar nannte aber auch die Probleme, die mit Baulücken- und Leerstandskatastern verbunden sind: Die aufwändige Datenerhebung zählt ebenso dazu wie die Probleme bei der Aktualisierung und die Notwendigkeit, bei allen Vermarktungsansätzen die Zustimmung der Immobileneigentümer einholen zu müssen.

Glatthaar ging in diesem Zusammenhang auch auf die interkommunale Kooperation „Hinterland“ in Hessen mit der Stadt Bad Laasphe in Nordrhein-Westfalen ein. Sie wurde als bislang einzige länderübergreifende Zusammenarbeit in das Programm Stadtumbau West aufgenommen. Eine der Aufgaben des 2007 gegründeten Zweckverbands besteht darin, die Auswirkungen des demografischen Wandels zu analysieren und Problemlösungsansätze zu definieren. So hat der Zweckverband die Vermarktung von Immobilien in den beteiligten Städten und Gemeinden übernommen.

Die Stadt Eschwege unterstützt nach den Darstellungen Glatthaars Sanierungsmaßnahmen im Baubestand auch finanziell. Übernommen werden bei Gebäuden, die älter als 50 Jahre sind, investive Maßnahmen mit bis zu zwanzig Prozent mit einer Obergrenze von 15.000 Euro. Im Jahr 2009 wurden in diesem Rahmen sechs Maßnahmen gefördert.

Glatthaar ging auf eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ein. Bei Betrachtung der Wohnungseigentumsbildung lasse sich die These eines „Zurück in die Städte und Großstädte“ nicht aufrechterhalten – ganz im Gegenteil: Nirgends werde so viel Wohnungseigentum gebildet wie in Kleinstädten und Dörfern. Glatthaar: „Die Kommunen in der Fläche haben gute Chancen zur Weiterentwicklung. Sie müssen sie nur am Schopfe greifen.“

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