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29.10.2010

Ertragskraft der Unternehmen im Focus

Enge Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Prosperität, Steuereinnahmen und demographischer Entwicklung

Foto zur Pressemitteilung
Prof. Dr. Hans-Ulrich Jung

Northeim. Wer den Rückgang der Bevölkerungszahlen in vielen Städten und Gemeinden außerhalb des Kernraums Göttingen und die Veränderungen in der Altersstruktur Südniedersachsens verstehen will, kommt um die Einsicht nicht herum, dass zwischen Wirtschaftsentwicklung, finanzieller Leistungsfähigkeit der Kommunen und demographischem Wandel enge Zusammenhänge bestehen. Gemeinden, denen es an ertragsstarken Unternehmen mangelt, fehlen Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommensteuer. Damit gerät ihre Handlungsfähigkeit in Gefahr. Und wer über zu wenig Arbeitsplätze verfügt, riskiert die Abwanderung von Bürgerinnen und Bürger in andere Regionen: Zusammenhänge wie diese skizzierte Prof. Dr. Hans-Ulrich Jung vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung (NIW, Hannover) in seinem Referat „Kommunale Finanzen – Entwicklungstendenzen bei abnehmender Bevölkerung im ländlichen Raum“ in der Stadthalle Northeim.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Auf den Ortskern kommt es an“, die die Regierungsvertretung Braunschweig in Kooperation mit dem Regionalverband Südniedersachsen ausrichtet, verwies Jung auf die weiter zunehmenden Unterschiede zwischen prosperierenden Zentren Deutschlands und den strukturschwachen Regionen, zu denen der Wirtschaftswissenschaftler auch Südniedersachsen zählt. Jung vor rund einhundert Veranstaltungsteilnehmern: „In Niedersachsen ist das Spannungsverhältnis zwischen schrumpfenden und wachsenden Regionen besonders ausgeprägt. Es sind insbesondere die jungen und gut ausgebildeten Menschen, die die ländlichen Regionen verlassen und in die Zentren ziehen.“ Zwar verlassen andererseits ältere Menschen nach Abschluss ihres Berufslebens häufig die Großstadt, doch kann von diesem Trend in Niedersachsen zwar die Nordseeküste profitieren, nicht jedoch Harz, Weserbergland und Solling. Zumindest bislang nicht.

Südniedersachsen zeichnet sich nach Jungs Darstellung im Saldo durch eine „schleichende Abwanderung“ aus. Die Arbeitslosenzahlen seien deshalb nicht auffällig hoch, weil Menschen im erwerbsfähigen Alter die Region verließen, ohne dass es Zuwanderungen in ausreichendem Umfang gäbe.

Die aus der wirtschaftlichen Schwäche der ländlichen Teile Südniedersachsen resultierende geringe Steuereinnahmekraft reduziert nach Jungs Darstellungen nicht nur die Möglichkeiten der Kommunen, attraktive Kultur-, Sport- und Freizeitangebote zu finanzieren. Sie birgt auch die Gefahr, dass sie aus Unternehmenssicht nicht attraktiv genug sind. Der Wissenschaftler: „Schwache Kommunen haben Probleme, die Standortbedingungen für Unternehmen zu gestalten.

In seiner Analyse betrachtete Jung auch die Zuweisungen des Landes. Während der Landkreis Göttingen einschließlich der Stadt Göttingen Zuweisungen etwa in Höhe des Landesschnitts erhält, liegen die Landkreise Northeim und Osterode am Harz deutlich über dem Landesschnitt. Besonders auffällig sind die hohen Aufwendungen vieler Städte und Gemeinden der Landkreise Northeim und Osterode am Harz für Zinsen.

Nach aktuellen Prognosen geht die Bevölkerungszahl in Niedersachsen von 2010 bis 2025 um fünf, in Südniedersachsen jedoch um 16 Prozent zurück. Das bedeutet für die drei Landkreise und die Stadt Göttingen in nur eineinhalb Jahrzehnten den Verlust von 80.000 Bürgerinnen und Bürgern – das entspricht fast der derzeitigen Einwohnerzahl des gesamten Landkreises Osterode am Harz.

Beispielsweise in der Stadt Northeim wird sich die Zahl der Kinder im schulpflichtigen Alter von 2010 bis 2015 um 40 Prozent reduzieren. Für die Existenzfähigkeit vieler Schulen ist diese hohe Quote deshalb besonders beunruhigend, weil viele Schulen schon jetzt geringe Schülerzahlen haben. Wenn die Zahlen weiter bröckelten, werde der Druck auf die Verantwortlichen, diese Schulen zu schließen, immer größer. Nach Jungs Einschätzung kommt es jetzt aber nicht nur darauf an, wohnortnahe Schulangebote vorzuhalten. Der Wissenschaftler: „Angesichts des hohen Fachkräftebedarfs der Wirtschaft ist die Qualität des Bildungsangebots ausschlaggebend für die Regionalentwicklung“.

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