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29.10.2010

Per Hubschrauber zum Brandort

Hamburger Stadtplaner stellt „Masterplan“ als neue Planungsmethode zur Bewältigung des demographischen Wandels vor

Foto zur Pressemitteilung
Dr. Jens-Martin Gutsche

Northeim. Masterplan - den Bergriff hält er selbst für etwas bombastisch. Und er will auch nicht den Eindruck erwecken, als plädiere er für mehr Planung, neue Bürokratie und damit für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zugunsten von Planungsbüros, wenn er die Nutzung dieses Planungsansatzes propagiere. Dennoch plädiert Dr. Jens-Martin Gutsche vom Büro „Gertz Gutsche Rümenapp Stadtentwicklung und Mobilität“ (Hamburg) für einen neuartigen Diskussions- und Planungsprozess, der die Fachplanungen von Landkreisen, Städten und Gemeinden verbinden soll und für den sich der Begriff „Masterplan“ eingebürgert habe.

Der Masterplan ermöglicht nach Darstellung Gutsches einen erweiterten Blickwinkel auf die künftige Entwicklung von Städten und Gemeinden: Angesichts der demographischen Veränderungen, die die Entwicklung in Südniedersachsen derzeit prägen, lassen sich nach Gutsches Darstellungen Szenarien erarbeiten und visuell darstellen, die sich beispielsweise aus bestehenden Prognosen für den drastischen Schülerrückgang ableiten lassen. Zunächst stellt der Masterplan die bestehenden Schulen auf digitalisierten Karten dar und spielt dann durch, wie sich Fahrzeiten von Schülerinnen und Schülern ändern, wenn Schulen geschlossen werden.

Zu den Überraschungen, die die Anwendung der Methode in Mecklenburg-Vorpommern lieferte, gehört die Erkenntnis, dass Schulschließungen und Änderungen von Schuleinzugebereichen nicht für alle Kinder und Jugendlichen zur Verlängerung von Fahrzeiten führen – für einige von ihnen verkürzt sich sogar der Weg zur Schule.

In Mecklenburg-Vorpommern ergab sich beispielsweise, dass angesichts der großen Entfernungen Schulschließungen deshalb nicht mehr wirtschaftlich sind, weil sie zu erheblichen Verteuerungen des Busverkehrs für Schüler führen würden.

Aus Masterplan-Darstellungen - so betonte Gutsche in seinem Vortrag „Kostenabschätzungen alternativer Infrastrukturszenarien in ländlichen Regionen“ vor rund einhundert Gästen in der Northeimer Stadthalle - lassen sich Kosten und Nutzen verschiedener Varianten öffentlicher Infrastruktur abschätzen. Daraus ergeben sich Erkenntnisse auf konkrete Herausforderungen wie den Brandschutz und die häusliche Pflege. Gutsche wies in diesem Zusammenhang auf die Probleme Freiwilliger Feuerwehren im ländlichen Raum hin. Angesichts sinkender Einwohnerzahlen in vielen Dörfern und der Tatsache, dass viele Berufstätige Wochenendpendler sind, lassen sich die gesetzlich vorgeschriebenen Alarmierungszeiten nicht mehr einhalten. Statt die Berufsfeuerwehren mit zusätzlichem Personal auszustatten, kann es sinnvoll sein, den Brandschutz durch die Bereitstellung von Hubschraubern sicherzustellen.

Als Gast der Veranstaltung erinnerte der Jurist und Soziologe Prof. Dr. Thomas Gawron von der TU Braunschweig an die Planungseuphorie der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Damals habe man letztlich aber vor der Komplexität solcher Planungsprozesse, wie Gutsche sie vorgestellt habe, kapituliert. Es bestehe zudem die Gefahr, dass weitere Entwicklungen blockiert würden, wenn ein solcher Planungsprozess erst laufe. Zudem müsse das Verhältnis zwischen dem Prozess „Masterplan“ und der jeweiligen Kommunalpolitik genau definiert werden.

Bei aller Wertschätzung des neuen Instrumentariums warnte Gutsche davor, die Möglichkeiten des Masterplans zu überschätzen. Eigentlich, so die Definition des Stadtplaners aus Hamburg, sei der Masterplan vergleichbar mit der Bleistiftzeichnung eines Architekten, der ein Bauvorhaben zunächst schrittweise skizziere. Besonderer Reiz: Der Bund, so die Einschätzung Gutsches, werde den Einsatz des „Masterplans“ in den nächsten Jahren zumindest beispielhaft finanziell fördern.

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