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28.12.2010

Kommunalpolitik trägt jetzt besondere Verantwortung

„Perforierte Dörfer sind teure Dörfer“ – Vortrag des Bonner Wissenschaftlers Theo Kötter in der Stadthalle Northeim

Foto zur Pressemitteilung
Prof. Dr. Ing. Theo Kötter (Foto: Dirk Spenn)

Northeim. Wenn Häuser und Wohnungen über längere Zeit leer stehen und sich keine neuen Nutzer finden, nehmen die Lebensqualität der Menschen und die Attraktivität von Stadt- und Ortsquartieren irreparabel Schaden. Nach Einschätzung von Prof. Dr. Ing. Theo Kötter von der Universität Bonn tragen die Kommunalpolitiker in Zeiten sinkender Bevölkerungs- und Haushaltszahlen deshalb eine besondere Verantwortung. Mit einer klugen und nachhaltig angelegten Gemeindeentwicklungspolitik müssten sie den demographischen Veränderungen Rechnung tragen. Leerstände sollten als Indikatoren auch deshalb ernsthaft beachtet werden, weil sie Auswirkungen auf das Preisniveau der in dem Umgebung liegenden Immobilien haben.

Während seines Referats im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Auf den Ortskern kommt es an“, die die Regierungsvertretung Braunschweig in Kooperation mit dem Regionalverband Südniedersachsen ausrichtete, äußerte Kötter die Befürchtung, dass immer mehr Kirchen ungenutzt blieben. Vielen Städten und Dörfer drohe damit der Verlust „sinnstiftender Symbole“.

Der Wissenschaftler bezeichnete die Erarbeitung von Konzepten zur Ortsinnenentwicklung als unverzichtbar. Nur im Rahmen langfristig angelegter Strategien könne es gelingen, die Ortskerne vital zu erhalten, Leerstände abzubauen, die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Infrastrukturangeboten zu erhalten und Freiräume zu sichern. Da die Kosten etwa bei der Abwasserentsorgung zu drei Vierteln aus Fixkosten bestünden, die der Nachfrage der Nachfrage nicht angepasst werden können, werde das Leben außerhalb der Zentren tendenziell immer teurer. Kötter: „Perforierte Dörfer sind teure Dörfer.“

Konkreten Maßnahmen muss nach Einschätzung Kötters eine nüchterne Analyse von Angebot und Nachfrage auf dem Immobilienmarkt vorangehen. So zeige sich, dass viele 55- bis 75-Jährige bereit sind, die Wohnung zu wechseln. Kötter: „Meist ziehen diese Menschen jedoch innerhalb ihres Wohnquartiers um. Sie wollen nicht nur ihre sozialen Kontakte behalten, sondern beispielsweise auch ihren Hausarzt, dem sie vertrauen.“ Solche Aspekte müssten Immobilieneigentümer bei der Vermietung und Kommunen bei der Quartiersgestaltung etwa bei der Gestaltung von Angeboten des betreuten Wohnens berücksichtigen. Die Ortskernrevitalisierung müsse in diesem Sinne langfristig gedacht und kleinteilig angelegt sein. Kötter: „Das ist keine bauliche, sondern eine strategische Frage.“

Bei allem Vorbehalt gegen diesen Begriff plädierte der Wissenschaftler doch dafür, ein „Bevölkerungskataster“ einzurichten, das Aussagen über die künftige Bevölkerungsstruktur, die Zahl und Größe von Haushalten sowie das voraussichtliche Nachfrageverhalten mache. Solche Untersuchungen seien aufwendig, für eine erfolgreiche Belebung von Ortskernen letztlich aber unverzichtbar.

Kötter warnte davor, eine Abriss-Strategie mit zu großen Erwartungen zu belasten. Zum Einen seien Abrisse teuer, zum Anderen bestehe immer die Gefahr, dass historische Ortsbilder zerstört würden.

Christian Kuthe, Referatsleiter im Niedersächsischen Sozialministerium, unterstützte Prof. Thumm in einem wesentlichen Aspekt. Kuthe: „Viele ältere Menschen würden gerne umziehen. Sie finden auf dem Wohnungsmarkt aber häufig nicht das, was sie suchen.“

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