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21.05.2012

Nur noch Bäcker und Fleischer vor Ort

Nahversorgung in kleineren Orten immer problematischer – Zunehmende Bedeutung des mobilen Handels

Foto zur Pressemitteilung

Göttingen. Im Landkreis Göttingen muss niemand Hunger leiden – wer sich aber in den kleineren Ortschaften mit Gütern des täglichen Bedarfs versorgen und dabei auch noch Kontakte zu anderen Dorfbewohnern pflegen will, hat es in manchen Teilen des Landkreises nicht leicht. Zu diesem Ergebnis kommt der Projektmanager Dirk Spenn vom Regionalverband Südniedersachsen. In einer Studie im Auftrag des Leader Regionalmanagements Landkreis Göttingen arbeitete Spenn die Bedeutung mobiler Händler und die hohe Abhängigkeit der Bürgerinnen und Bürgern vom PKW heraus. Spenn: „Es zeigt sich, dass die meisten Menschen entweder selbst in den größeren Orten versorgen oder aber Freunde und Nachbarn bitten, ihnen Lebensmittel mitzubringen. Verblüfft waren wir aber darüber, wie engmaschig das Netz der Dienstleistungen mobiler Händler ist – das gilt insbesondere für Bäcker, Fleischer und den Lebensmittel-Handel.“

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Projektmanager Dirk Spenn

Von der Geschäftsstelle des Regionalverbandes aus hat Spenn Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister von Orten bis 1.500 Einwohnern befragt. Größere Orte haben – so zeigten Vorrecherchen – keine nennenswerten Probleme mit der Nahversorgung. So verschickte Spenn 122 Fragebögen. Nach Abschluss der Aktion lagen ihm 112 Antworten vor - eine Rücklaufquote, die auch als Indiz für das hohe Interesse der politisch Verantwortlichen an diesem Thema gewertet werden kann.

Dabei fällt die Bewertung der Situation durch die Befragten durchaus kritisch aus: Nur 15 Prozent halten die Nahversorgung in ihren Orten für gut oder sehr gut, immerhin ein Drittel hält sie für schlecht oder sogar sehr schlecht. Die weit überwiegende Mehrheit sieht also Handlungsbedarf vor Ort. Diese Einschätzung kontrastiert jedoch mit der Beobachtung, dass lediglich in gut fünf Prozent der Dörfer Bestrebungen bestehen, an dieser Situation aus eigener Kraft etwas zu ändern.

Die Bestandsaufnahme zeigte, dass jeweils in gut einem Drittel der kleineren Orte des Landkreises Bäckereien oder Fleischereien betrieben werden. Es folgen Hof- und Dorfläden, Getränke- sowie Supermärkte. Verschwindend gering ist die Präsenz der Drogerien in der Fläche. Bei diesen Zahlen ist jedoch zu beachten, dass der nächste Supermarkt in zwei Dritteln der Orte in einer Entfernung von bis zu fünf Kilometern zu finden ist.

Nach Angaben der Ortsbürgermeister werden fast alle Orte von mobilen Bäckern angefahren – große Bedeutung haben auch rollende Supermärkte und mobile Fleischer. Parallel zu den Befragungen geführte Gespräche mit einzelnen Geschäftsleuten zeigten, dass der mobile Handel in vielen Branchen inzwischen gegenüber den stationären Angeboten zunehmende Bedeutung erlangt hat – dieser Trend dürfte sich angesichts des demographischen Wandels vermutlich weiter fortsetzen.

Nach Angaben Spenns besteht in vielen Orten bezüglich der Gründung neuer Nahversorgungs-Projekte großer Informationsbedarf. Spenn: „Die meisten Initiatoren wissen inzwischen ziemlich genau, wie schwierig es ist, sich heute auf dem umkämpften Markt zu behaupten oder gar neue stationäre Angebote zu etablieren.“

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